Er war einer der prägendsten Rapper Deutschlands, ein Unternehmer, ein Überlebenskünstler – und doch starb Giwar Hajabi, bekannt als Xatar, mit nur 43 Jahren an einem Herzinfarkt. Die Todesursache, die seine Witwe Farvah Hajabi fast ein Jahr nach seinem Tod am 7. Mai 2025 öffentlich machte, ist erschütternd. Nicht weil sie unerwartet wäre, sondern weil Xatar selbst jahrelang laut und deutlich ankündigte, dass sein Körper und seine Seele an ihre Grenzen stoßen.
Ein Tod, der sich lange angekündigt hatte
Am 7. Mai 2025 wurde Giwar Hajabi leblos in der Kölner Wohnung einer Geschäftspartnerin aufgefunden. Er hatte in jenen Tagen an einem neuen Album gearbeitet — mehrere Tage am Stück im Studio, ohne nennenswerte Pausen. Sein Freund und Produzent Shamsedin berichtete später in der ARD-Dokumentation „Xatar – Ein Leben ist nicht genug”, dass Xatar erst nach der Fertigstellung einer Single schlafen gegangen sei. Aus diesem Schlaf erwachte er nicht mehr.
Sofort wurde ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft Köln beauftragte eine Obduktion und ein chemisch-toxikologisches Gutachten. Monate später teilte Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mit, dass keinerlei Hinweise auf Fremdverschulden vorlägen — die Ermittlungen wurden eingestellt. Die genaue Todesursache blieb der Öffentlichkeit zunächst verborgen, bis Farvah Hajabi im Rahmen der dreiteiligen ARD-Doku im Mai 2026 das Schweigen brach: Xatar starb an einem Herzinfarkt.
„Er ist fit gewesen. Sei es mental und auch physisch”, sagte sie gegenüber Moderatorin Frauke Ludowig. Und genau dieser Satz ist es, der so viel über das Wesen dieses Mannes verrät — und über die Blindheit, mit der Menschen, die immer funktioniert haben, die eigene Gefährdung ausblenden.
Die Vorgeschichte: Signale, die niemand ernst genug nahm
Wer Xatars öffentliche Aussagen der letzten Jahre verfolgte, konnte erkennen, dass sein Körper schon lange unter dem Druck zusammenbrach, dem er ihn aussetzte. Im Jahr 2021 erlitt er einen Schlaganfall — ein Ereignis, das er zunächst selbst als harmlose Zahnfleischentzündung abtue. Erst als Ärzte ihn untersuchten, wurde das wahre Ausmaß des gesundheitlichen Zusammenbruchs deutlich. Er sprach danach von einem kompletten „Reset” seines Körpers und betonte, wie viel er den Medizinern verdanke, die ihm das Leben gerettet hatten.
Schon vor dem Schlaganfall hatte sein Arzt ihn eindringlich gewarnt. Xatar hatte damals über 150 Kilogramm gewogen, und in einem Interview mit YOUFM schilderte er die Worte seines Arztes fast lapidar: Wer bei solchem Stress und solchem Gewicht weitermache wie er, der laufe geradewegs auf einen Herzinfarkt zu. Daraufhin nahm er rund 50 Kilogramm ab — eine beachtliche Leistung. Sein bester Freund Samy bestätigte in der ARD-Doku, dass Xatar eigens schnell abnehmen musste, weil er akut herzinfarktgefährdet war.
Und doch: Der Lebensstil, der ihn in diese Gefahr gebracht hatte, blieb im Wesentlichen bestehen. In einem Gespräch von Frühjahr 2024 sprach er selbst davon, wie „die letzten Jahre schlimm” gewesen seien — psychische Belastungen, Psychosen, das Gefühl, nicht mehr richtig zurückzufinden ins Leben. Parallel dazu baute er Firmen auf, produzierte Musik, bereitete den Kinofilm „Rheingold” vor, führte sein Label. Er nannte es selbst einen „kranken Hustle”.
Das Paradox des starken Mannes
Hier liegt der Aspekt, den die meisten Nachrufe auf Xatar auslassen: die Kluft zwischen dem Bild, das er von sich selbst zeichnete, und der physischen Realität, in der er lebte. Xatar baute seine gesamte künstlerische Identität auf Stärke, Unnachgiebigkeit und das Motto „alles oder nix”. Wer mit diesem Selbstbild sozialisiert ist — der kurdische Flüchtling, der den Goldraub überlebt, der Knast überlebt, der den Aufstieg erzwingt — dem fällt es schwer, anzuerkennen, dass der eigene Körper schlicht nicht mehr mitmacht.
Farvah Hajabi beschrieb diesen Widerspruch auf erschütternd ehrliche Weise. Sie sagte, dass sie das Ende schon gesehen habe — und damit nicht den Tod, sondern das Muster, das Erschöpfung und Grenzüberschreitung hinterlassen. Und dennoch: Als es passierte, traf es sie wie ein Schlag ins Gesicht. „Man wird zu Pulver”, so ihre Worte.
Der Rapper SSIO, einer seiner engsten Wegbegleiter, beschrieb Xatars Bedeutung für den deutschen Hip-Hop in einem Vergleich, der für Aufsehen sorgte: In 150 Jahren werde man über ihn sprechen wie über Johann Sebastian Bach. Das mag pathetisch klingen — es zeigt aber, welche Lücke dieser Mensch hinterlassen hat. Nicht nur als Rapper, sondern als Figur, die eine ganze Generation von Migranten-Kindern mit ihrer Geschichte repräsentierte.
Was bleibt: Musik, Familie und eine unfertige Single
In der Nacht, in der Xatar starb, hatte er gerade eine neue Single fertiggestellt. Es war das letzte Ding, das er vollendete. Für seine Witwe steht die Zeit seitdem still. Kein Salzstreuer, den er irgendwo hingestellt hatte, sei verrückt worden, sagte sie. „Die Liebe des Herzens kennt keinen Abschied” — das ist ihr Vermächtnis an die Kinder, in denen sie ihren Mann weiterleben sieht.
Am 7. Mai 2026, genau ein Jahr nach seinem Tod, fand in der Lanxess Arena in Köln ein Gedenkkonzert statt. Wegbegleiter, Freunde, Kollegen und Fans kamen zusammen, um einem Mann Tribut zu zollen, der die deutsche Rap-Szene wie kaum jemand anderes geprägt hat. Sein Label Alles oder Nix Records, seine Autobiografie, seine Alben — allen voran „Baba aller Babas”, das 2015 auf Platz 1 der deutschen Charts einstieg — bleiben als Teil seiner Geschichte bestehen.
Die eigentliche Geschichte hinter Xatars Tod aber ist keine über Herzinfarkte und Obduktionen. Es ist die Geschichte eines Mannes, der die Warnsignale kannte, sie benannte, und dennoch nicht aufhören konnte — weil Aufhören in seiner Welt schlicht nicht vorgesehen war.
FAQ
Woran ist Xatar gestorben? Xatar, bürgerlicher Name Giwar Hajabi, starb am 7. Mai 2025 an einem Herzinfarkt. Seine Witwe Farvah Hajabi bestätigte dies erstmals im Mai 2026 in der ARD-Dokumentation „Xatar – Ein Leben ist nicht genug”. Eine zuvor eingeleitete staatsanwaltschaftliche Untersuchung hatte jegliches Fremdverschulden ausgeschlossen.
Wo wurde Xatar tot aufgefunden? Der Rapper wurde leblos in der Wohnung einer Geschäftspartnerin in Köln gefunden. Er hatte sich dort in den Tagen zuvor aufgehalten, um an einem neuen Musikprojekt zu arbeiten.
Hatte Xatar vor seinem Tod gesundheitliche Probleme? Ja, und er sprach auch öffentlich darüber. Im Jahr 2021 erlitt er einen Schlaganfall. Zuvor hatte er zwischenzeitlich über 150 Kilogramm gewogen und war von seinem Arzt explizit vor einem Herzinfarkt gewarnt worden. Er nahm daraufhin rund 50 Kilogramm ab, blieb aber einem extremen Arbeitspensum verhaftet.
Warum wurde die Todesursache so lange nicht bekanntgegeben? Die Staatsanwaltschaft Köln leitete zunächst ein Todesermittlungsverfahren ein und gab nach Abschluss der chemisch-toxikologischen Untersuchungen lediglich bekannt, dass kein Fremdverschulden vorliege — aus Respekt vor den Persönlichkeitsrechten des Verstorbenen und seiner Familie wurden keine weiteren Details veröffentlicht. Erst die Witwe selbst trat fast ein Jahr später an die Öffentlichkeit.
Was hinterlässt Xatar musikalisch und unternehmerisch? Xatar war Gründer des Labels Alles oder Nix Records und prägte Karrieren von Künstlern wie SSIO, Schwesta Ewa und Kalim. Sein Album „Baba aller Babas” erreichte 2015 Platz 1 der deutschen Charts. Sein autobiografischer Kinofilm „Rheingold” aus dem Jahr 2022 wurde vielfach besprochen und zog ein breites Publikum an.
Fazit
Xatars Todesursache ist ein Herzinfarkt — aber wer verstehen will, warum dieser Mensch mit 43 Jahren starb, muss das Muster sehen, das sich über Jahre aufgebaut hat: ein Körper unter Dauerbelastung, ignorierte Warnsignale, ein Selbstbild, das keine Schwäche erlaubt. Sein Tod ist kein Zufall. Er ist das Ende einer Geschichte, die Xatar selbst in vielen Interviews schon erzählt hatte — die niemand so ganz ernst nehmen wollte, am wenigsten er selbst.
Aktuelle Blogbeiträge: Daniel Holefleisch







